Kurzpredigt in der Osternacht 2026 über Mt. 28, 1-10
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!
Ihr Lieben, das ist die weltumwälzende Botschaft dieses Morgens! Christus ist der Auferstandene.
Der, von dem wir eben noch erzählt haben, wie er am Kreuz starb und ins Grab gelegt wurde – er lebt!
Der, der für seine grenzenlose Liebe in den Tod gegangen ist, er ist nicht tot, sondern lebt.
Religiöse Engstirnigkeit hatte ihn in den Tod gebracht. Leute, die ganz genau zu wissen meinten, wie Gott ist und was er will. Den Tod eines Abweichlers auf alle Fälle.
Und politische Macht hatte ihn in den Tod gebracht. Menschen, für die ein Menschenleben nichts zählt. Wir haben uns am Donnerstag im Konfikurs ja nochmal angehört, wie Jesus eigentlich alles erlebte, was Menschen erdulden müssen: Verspottet zu werden, hilflos zu sein, ausgeliefert der Brutalität und der Menschenverachtung. Er wird ausgelacht und lächerlich gemacht. Das alles gab es längst schon, bevor Social Media erfunden waren. Jesus wird durch Menschen umgebracht.
Als die Frauen am Ostermorgen zum Grab kommen, erwarten sie nichts. Sie wollen nur den Leichnam versorgen und ihrer Trauer einen Ort geben. Und so wissen sie gar nicht, wie ihnen geschieht, als sie plötzlich mitten im weltumwälzenden Geschehen stehen: Erdbeben, Blitz, ein Engel auf dem Grabstein, Wachen, die vor Schreck ohnmächtig werden.
Es ist der Moment, der die Welt grundstürzend verändert. Und Matthäus versucht das, mit seinen Bildern auszumalen. So wie wir das heute morgen versuchen zu gestalten: Erst das Licht im Dunkel. Und mitten in den eher ruhigen Gottesdienst knallt die Orgel mit allen ihren Registern hinein und die Glocken läuten und die Stille ist vorbei! Wer noch nie dabeiwar und das nicht ahnte, kann ganz schön zusammenschrecken!
Die Frauen damals hören die Botschaft: Jesus ist auferstanden. Er ist nicht hier im Grab. Ihr sucht an der falschen Stelle! So ganz begreifen sie das natürlich nicht. Wie sollten sie auch? Und so ziehen sie mit Furcht und Freude wieder ab, heißt es. Und erst auf dem Rückweg dann begegnet ihnen Jesus selbst. Und in dem Moment werden sie Teil des Geschehens und die Auferstehung wird ihre Geschichte.
Kein Wunder, dass es ihnen schwergefallen war, dem Engel zu glauben, der da auf dem Stein saß. Obwohl er so hell leuchtete. Die Dunkelheiten und die Brutalität in der Welt sind so mächtig. Die Ängste nehmen zu, sagen uns die Umfragen. Und wir merken es vielleicht auch selbst. Da hat die Botschaft vom Leben es schwer.
Und doch: diese Botschaft ist seit dem ersten Ostern nicht wieder verstummt. Die Frauen haben sie weitergesagt, weil sie ja Jesus begegnet waren. Und die Jünger haben sie schließlich auch weitererzählt, weil sie dem Auferstandenen begegnet sind. Und von Generation zu Generation läuft das nun schon so.
Heute haben wir hier fünf Jugendliche getauft. „Wir wollen Jesus als dem Herrn unseres Lebens nachfolgen“, haben sie gesagt. Und so seid ihr auf die Seite des Lebens gestellt worden! Nichts kann euer Leben mehr von Gott und seinem Leben trennen. Nichts, was immer in der Welt auch passieren mag. Ihr steht auf der Seite des Lebens.
Und ihr, die ihr im letzten Jahr hier getauft worden seid, könnt heute feiern: Ein Jahr seid ihr jetzt schon untrennbar mit Christus verbunden, mit dem Auferstanden. Das ist Grund zum Feiern! Bei mir sind es morgen 59 Jahre. Und ich feiere das immer noch! Und ganz viele, die ihre Taufe hier feiern! Einige von euch wollen das mit ihrer Konfirmation bald auch öffentlich tun.
Wir sind Kinder des Lebens! Auch eure Taufsprüche werden euch immer wieder davon erzählen: Seine Gnade reicht, so weit der Himmel ist! Zur Freiheit hat uns Christus befreit! Überwinde das Böse mit Gutem! Wer beharrt, wird selig, egal wie viel Hass da ist! Fürchte dich nicht, ich weiche nicht von dir! - Vor euch liegt ein Leben, in dem das gilt.
Seit dem ersten Ostern ist nichts in der Welt mehr, wie es war. Denn der Auferstandene ist mitten unter uns. Die Mächte der Welt scheinen natürlich weiter mächtig. Das ist so. Aber der Auferstandene ist der Beleg für die Begrenztheit ihrer Macht. Mittendrin. Und deshalb sollen wir ihnen auch nicht mehr Macht geben als nötig. Wir sind Kinder des Lebens, verbunden mit dem Auferstandenen. Seine Zeugen. Das sollen wir im Gedächtnis halten und das soll unser ganzes Leben prägen!
Vielleicht fällt es uns manchmal schwer, das zu glauben, weil das Dunkle so stark ist und das Leben so schwach zu sein scheint.
Zum Glück sind wir nicht allein. Sondern wir sind eine Gemeinschaft, die das zusammen erzählt. Jeden Sonntag feiern wir hier ein kleines Osterfest. Eine Gemeinschaft, die zusammen für das Leben eintritt. Und die darin den Mächten der Welt und dem Tod und seinen Schergen widersteht.
Einfach, indem wir an das Leben glauben. An die Liebe. An Christus, der unser Leben ist. Und die Liebe.
Und der das alles mit uns teilt. Auch heute morgen.
Und so lasst uns in den Tag heute und unser Leben gehen.
Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden!